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Die neue Strategie der Rechtsextremen:

Guerilla-Taktik online

(veröffentlicht in der Wochenzeitschrift Freitag im Juli 1997)


'Das Internet eröffnet enorme Möglichkeiten für den Arischen Widerstand, unsere Botschaft an die Unwissenden zu vermitteln', leitet ein gewisser Milton John Kleim seinen Leitfaden 'On Tactics and Strategy for USENET' ein. Kleims Drehbuch setzen deutsche Rechtsextremisten Punkt für Punkt um. Davon kann sich jeder selbst überzeugen: Im Usenet, den 'Schwarzen Brettern' des Internet, werden täglich neonazistische Symbole bis hin zum Hakenkreuz, wird rassistische Propaganda bis hin zur Auschwitzlüge verbreitet.

Ziel der rechtsextremen Angriffe sind nicht nur Newsgroups wie 'alt.politics.nationalism.white', 'alt.politics.white-power', 'alt.revolution.counter', 'alt.skinheads' oder 'alt.revisionism'. Der Eingeweihte erkennt am Namen, daß sich hier ohnehin nur Gleichgesinnte treffen, und das weiß auch Mr. Kleim. Deshalb fordert er alle rechten Online-Aktivisten ausdrücklich auf, sich der 'Mainstream-Newsgroups' zu bedienen - mit Erfolg, wie ein Blick in 'de.soc.politik' und seine Untergruppen zeigt. Für den unvoreingenommenen Beobachter sieht es dort so aus, als wäre die Mehrheit der Usenet-Teilnehmer Neonazis. Daß das nicht stimmt, sondern daß hier lediglich eine winzige Minderheit mit immer wiederkehrenden kurzen, vorformulierten Textbausteinen gebetsmühlenartig ihre Statements wiederholt, ergibt eine genauere Analyse der Nachrichten.

'Die Neonazis haben hier praktisch die Lufthoheit', beschreibt Alexander Heidenreich, Mitbetreiber eines Bürgernetzes aus Leipzig, den Zustand. 'Und das ist ihr Ziel: Schon vor einigen Jahren haben sie ihre Taktik umgestellt, um sogenannte 'befreite Zonen' zu schaffen, in denen ihnen keiner zu wiedersprechen wagt. Solche Zonen gibt es ganz real in einigen Gemeinden in den neuen Bundesländern, zum Beispiel in Wurzen bei Leipzig - und in einigen Newsgroups des Internet.'

n anderen Newsgroups wird einfach megabyteweise Unsinn versandt, sogenannter SPAM, um die ernsthafte Diskussion unmöglich zu machen. 'Ich kann diesen Müll nicht mehr sehen', ärgert sich die Pädagogin Ulrike K. aus München, 'dieses 'Young Teenage Girls that fuck and suck' - täglich wird das hier eingespielt, immer von anderen gefälschten Absendern aus. Für mich ist das Internet ein Arbeitsinstrument, das damit unbrauchbar wird, ganz gleich, woher der SPAM kommt, ob von rechten Störern oder einfach von ganz normalen DAUS' (DAU = Szene-Ausdruck für Dümmster Anzunehmender User).

Die Neue Rechte, der neue Rechtsextremismus und ihre Strategie in den Neuen Medien waren Thema eines Wochenendseminars im Frohburger Medienhaus, zu der die Friedrich-Ebert-Stiftung, Büro Leipzig, eingeladen hatte. Pädagogen, Lehrerinnen und Lehrer, EDV-Fachleute und Studenten verschiedener Fachrichtungen 'surften' durch die Online-Angebote des 'Aryan Network', der 'White Nationalist Party', des deutschsprachigen 'Thule-Netzes' und des noch radikaleren 'Nordland-Netzes'.

Die Dozenten hatten einige Texte aus den internen Foren von Thule- und Nordlandnetz mitgebracht. Hier werden Adressen angeblicher 'linker' Pädagogen und Lehrerinnen ausgetauscht mit dem Hinweis, 'Ihr wißt schon, was ihr zu tun habt', da wird zu einem Boykott von Reemtsma-Zigaretten wegen des Reemtsa-Engagements bei der Wehrmachtsausstellung aufgerufen, da berichten 'Kameraden' von geheimen Sonnwendfeiern und wie sie die Polizei im Vorfeld des Treffens an der Nase herumgeführt hätten. Rechte Verlage bieten ihre Publikationen, rechtsextreme Skin-Bands ihre Musik-CDs an.

Zur ideologischen Aufrüstung dienen Essays über die angebliche kulturelle Überlegenheit der weißen arischen Rasse, aber auch über die 'Gefährdung der westlichen Zivilisation', bei deren Abwehr sich angeblich alle Fraktionen von rechts bis links einig seien. 'Deutlich wird hier', so der Referent und Buchautor Peter Lokk, 'die Doppelstrategie der neuen Rechtsextremen: Einerseits umwerben die neurechten Ideologen Konservative und Liberale, ja sogar Sozialdemokraten, um ihre Ideen einer 'ethnokulturellen Identität' hoffähig zu machen. Andererseits wird in den internen Zirkeln ebenso wie in ausgewählten öffentlichen Foren wildeste rechtsradikale Propaganda gemacht, um weitere Anhänger für die rechtsextreme Guerilla-Taktik zu gewinnen.'

Der Organisation dieser Guerilla-Tätigkeit dient vor allem das neuerdings vom Thule-Netz abgespaltene Nordland-Netz. Hier treffen sich die Vordenker und die Aktivisten verschiedener Zirkel, um ihre Aktionen abzusprechen und die gemeinsame Strategie zu planen. Aufgenommen werden nur namentlich bekannte Rechtsextreme - Experten schätzen das Nordland-Netz auf etwa 30 Teilnehmer.

'Der Online-Organisation folgt das Einsickern der Ideen in konservative Gesprächszirkel, aber auch das Einnisten in bestimmten Szene-Treffs und Jugendzentren', hat Peter Lokk beobachtet. Dem leiste eine akzeptierende Jugendarbeit Vorschub, bei der die Skins und jungen Rechten in Jugendzentren und öffentliche Treffs nicht nur geduldet, sondern auch noch pädagogisch unterstützt würden. 'Auf diese Weise erobern sie weitere 'befreite Zonen'', befürchtet Alexander Heidenreich. 'Und in einem Dorf, einer Kleinstadt heißt das: Da traut sich dann keiner mehr, was dagegen zu sagen.'

In einigen Newsgroups haben das die Rechtsextremen fast geschafft.

Eine gute Link-Sammlung gibt es bei Burkhard Schröder, weiterführende Texte zum Thema bei Martin Blumentritt.

Letzte Aktualisierung: So. 07. 11. 2010. 10:34 Uhr (GaHo)
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