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Das Ende der Information

Ich kommuniziere, also bin ich

(veröffentlicht in der Wochenzeitschrift Freitag im Mai 1997)



Daß es im Internet um Informationsaustausch geht, glauben nur noch ein paar Altachtundsechziger. Online hat sich die Kommunikation längst verselbständigt:

A: Hey.
B: Hallo, A.
A. Hallo, B.
C. Hallo.
B: Guck mal, C ist da.
A: Hallo, C.
B: CCCCCCCCC.
C: A+B=A+B.
A. Ich muß los.
B: Bye, A.
C: Bye, A.
B: Puh.
C: Puuh puuh.

So beschreibt Douglas Coupland in 'Microserfs' einen Chat, wie das Online-Geschnatter per Tastatur genannt wird, dreier Teilnehmer von 'America Online' (AOL). Der Nonsens ist sicher nicht typisch für den weltweit größten Online-Dienst - er könnte sich genauso irgendwo im Internet Relay Chat (IRC) abspielen.

Während die Propagandisten des Internet nicht aufhören, von Information-at-your-fingertips und den Archiven der Welt zu schwärmen, ohne mitzuteilen, wo denn all diese angeblich bestens aufbereitete und strukturierte Information zu finden sei, blüht die zweckfreie Kommunikation in allen Teilen des Internet: vom Chat über die elektronischen Pinnwände der Newsgroups bis hin zur elektronischen Post (E-Mail). Und wenn dabei überhaupt etwas mitgeteilt wird, dann der Sachverhalt, daß auch Otto Normaluser mit dabei und imstande ist, kilobyteweise Text abzusondern, ohne auch nur einen Hauch an Information zu übermitteln.

'Hahnenkämpfe' nennt die Kommunikationswissenschaftlerin Rena Tangens diese männchendominierte Kommunikationsform, aus der sich Frauen weitgehend heraushalten. Und der kongeniale Bielefelder Kommunikationsartist padeluun bringt es auf die Formel: 'Diese Message schreibe ich nur deshalb, damit ich auch etwas zu dem Thema geschrieben habe.' Me-too-Nachrichten nennt die leidgeprüfte Usenet-Gemeinde solche inhaltsleeren Texte, die zu allem Überfluß oft zu mehr als achtzig Prozent aus Zitaten anderer Netzteilnehmer, 'Quotes' genannt, bestehen.

Die Sachebene ist out, die Beziehungsebene ist in: Auf diesen einfachen Zusammenhang läßt sich frei nach Schulz von Thun die Verselbständigung der Kommunikation im Usenet reduzieren. Was einst dem weltweiten wissenschaftlichen Diskurs geweiht war, ist zur Plattform dumpfbackener oder geistreichelnder Selbstdarsteller verkommen. Foren wie de.comm.internet oder de.soc.politik mit ihren Unterabteilungen dienen all jenen, die im realen Leben nicht zu Wort kommen, als willkommene Spielwiese. Hier werden Bleiwüsten an Text produziert, die nirgend sonst einen Leser fänden; hier gewinnen absonderliche Anschauungen Raum, denen jede Mehrheit im wirklichen Leben versagt bliebe. Gottseidank, denkt der Leser, dem die siebzehnte Propagandanachricht einer nationalen Splittergruppe neben der zehnten Kampfmail eines radikalen Buddhisten am Tag auf den Bildschirm flimmert.

Rasch flackern Diskussionen auf und verschwinden ebenso plötzlich, um von neuen Themen abgelöst zu werden: Die Fieberkurve des Usenet schlägt Zickzack zwischen den Extremen. Für den Freak ist es ein leichtes, die Online-Gemeinde durch gezielte Provokation ins virtuelle Bockshorn zu jagen. Kommunikations-Clowns wie der Ex-Chef des Hamburger Chaos Computer Clubs Wau Holland lieben es, ganze Netzgemeinden, die in Spezialforen nisten, am Nasenring vorzuführen.

Kommunikations-Guerillas streifen durch die Newsgroups und verunsichern biedere Diskutierer: Per E-Mail versichern sie ihrem Diskussionpartner ihre Freundschaft und Wertschätzung. In der öffentlichen Diskussion im Usenet wird das wehrlose Opfer gnadenlos niedergemacht. Generell wird Protest stets öffentlich mit starken Worten, Zustimmung lediglich leise als privater Brief geäußert. Der Gesamteindruck für den unbedarften Leser der Newsgroups: Hier handelt es sich um einen Käfig voller Narren.

Aber es gibt auch Trost: Zur Kunstform wurde die Kommunikation als l'art pour l'art in Newsgroups wie de.talk.bizarre erhoben. Dort hat der Nonsens Methode, und die Internet-Gemeinde freut sich daran. Das ist Meta-Kommunikation auf höchstem Online-Niveau: durch extensive Verweigerung der Kommunikation darüber zu reflektieren, daß man nichts zu sagen hat.

Letzte Aktualisierung: So. 07. 11. 2010. 10:31 Uhr (GaHo)
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