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Gabriele Hooffacker:

Lehren durch Lernen

Auszug aus Journalismus lehren. 10 Jahre Journalistenakademie, München 2010


Welche Kenntnisse und Kompetenzen braucht ein professional, um in der Medienbranche bestehen zu können? Den klassischen Kanon journalistischen Handwerks hat die Journalistenakademie in ihren Lehrgängen um den Aspekt der praktischen Mediengestaltung sowie der kommunikativen – als Spezialfall der sozialen - Kompetenz erweitert. Der Unterricht orientiert sich am Konzept des handlungsorientierten Lernens sowie der modernen Erwachsenenbildung.

Beim Job in Redaktionen, Pressestellen oder Produktionsfirmen helfen die journalistischen Handwerksregeln, ob für Presse, Radio, Fernsehen und Internet. Hier ist jede Menge Kenntnis der Werkzeuge nötig, und das reicht von der Kamera über die Bearbeitungssoftware bis zum Content-Management-System. Zusätzlich braucht es Kommunikationskompetenz, die Fähigkeit zur Teamarbeit sowie Belastbarkeit und Frusttoleranz, also nicht weniger als die Fähigkeit zum Ertragen und Lösen der mit Sicherheit auftretenden Konflikte. Diese Fähigkeiten vermittelt die Hochschule offiziell eher selten, und es ist auch nicht ihre primäre Aufgabe.

Handlungsorientiertes Lernen
Die Journalistenakademie setzt bei der Vermittlung fachlicher und sozialer Kompetenzen auf den Ansatz des handlungsorientierten Lernens. Im Fachunterricht wird immer am praktischen Objekt geübt: mit der Sprache, mit der Kamera gearbeitet, die Software direkt am eigenen PC erlernt und eingeübt. In jede Unterrichtseinheit sind praktische Übungen verwoben, oft verbunden mit dem Auftrag, die Aufgabe in Teams zu lösen.

Mittelpunkt jedes Lehrgangsmoduls ist die Projektphase, in der alles Erlernte eingesetzt wird. Diese Phase soll so weit wie möglich der Arbeit im Beruf ähneln. Daher legt die Journalistenakademie Wert auf externe Auftraggeber. Insbesondere die berufserfahrenen Lehrgangsteilnehmerinnen und –teilnehmer fühlen sich in dieser Phase wohl und bringen ihre Erfahrungen ein. Für Hochschulabsolventen ist diese Phase oft einer der ersten Begegnungen mit der beruflichen Praxis. Entsprechend hoch sind Anspruch und Ängste. Unter diesen Umständen für das Gelingen eines Projekts zu sorgen, ist je nach Gruppenzusammensetzung nicht immer einfach: Hier müssen Unterschiede zwischen Hochschulabsolventen und Berufserfahrenen, diversen Wissenschaftskulturen, Männern und Frauen, Sehenden und Blinden sowie zwischen unterschiedlichen soziokulturellen Milieus überwunden werden- genau wie im richtigen Leben.

Dozierende sind hier mehr Coaches als Trainer. Sie geben Hilfestellung und greifen ein, wenn der Einzelne oder die Gruppe vor größeren Schwierigkeiten steht, der Auftraggeber zu wenig oder zu viel oder das Falsche vorgibt, schlimmstenfalls das Projektziel gefährdet erscheint. Auf diese Weise findet die Projektarbeit zum Schluss dann doch immer in ein gutes Fahrwasser. Wenn nicht, wie in einem spektakulären Fall, der Projektauftraggeber sich ins Ausland absetzt und seine Ehefrau mit Schulden und einem begonnen Projekt sitzen lässt. In einem solchen Fall kann auch die Journalistenakademie nur die Scherben zusammenkehren und das Projekt stilvoll beerdigen. Dieser Ausnahmefall ist zum Glück in zehn Jahren nur ein einziges Mal vorgekommen.

Transparenz zu jedem Zeitpunkt
Wer an einem Lehrgang der Journalistenakademie teilnimmt, soll möglichst zu jedem Zeitpunkt über die Ziele des gesamten Lehrgangs sowie der jeweiligen einzelnen Unterrichtseinheit im Bilde sein. Das bedeutet: Zu Beginn jeder Unterrichtseinheit verständigen sich Lehrende und Lernende über die Ziele und Inhalte des jeweiligen Themenblocks. Die Lehrenden geben überdies einen Überblick über die eingesetzten Lehrmethoden. Diese Offenheit und Transparenz halte ich für grundlegend für eine Erwachsenenbildung, die Lernende als Mitsteuernde im Lernprozess ernst nimmt.

Ein Unterrichtskonzept für ein Fach wie „Schreiben für das Internet” an der Journalistenakademie folgt einem fachlichen, einem methodischen und einem dramaturgischen Aufbau.

1. Fachlich ist zu klären: Wie sind die Lernziele dieser Einheit formuliert? Mit welchen praktischen Übungen können sie umgesetzt und durch handlungsorientiertes Lernen erreicht werden?
2. Methodisch ist zu klären: Welche Kompetenzen, welche Inhalte sollen vermittelt werden? Wie vermittelt man den Inhalt möglichst effektiv? Welche Methoden eignen sich zum Erreichen dieser Ziele am besten? Fachliches Wissen lässt sich auf viele Weisen vermitteln – es kann, muss aber nicht unbedingt der Lehrervortrag anhand der Powerpoint-Präsentation sein. Den schönen Satz „Du darfst über alles reden, nur nicht über 45 Minuten” sollte man Vortragenden nahe legen.
3. Eine gute Unterrichts-Dramaturgie sorgt dafür, dass die Lernenden als Einstieg einen klassischen Aufmerksamkeits-Wecker erhalten, der ins Herz des Themas führt, verbunden mit der Aufforderung zur Mitgestaltung des Unterrichts. Jeder Unterrichtstag sollte abhängig vom Thema möglichst zwei größere praktische Übungen – etwa: eine vormittags, eine nachmittags – umfassen. Zu jeder Übung folgt das Feedback auf dem Fuß. Der Unterrichtsablauf sollte dem biologischen Tagesrhythmus eines Menschen angepasst sein: Der große Theorieblock nach der Mittagspause unterbleibt vielleicht besser. Der Tagesabschluss setzt einen thematischen Schlusspunkt zum Unterrichtstag; oft schließt sich ein sogenanntes „Blitzlicht”, ein Minifeedback zum Tag, an.

Bei einem Thema wie „Reportage schreiben” oder „Bildgestaltung mit der Kamera” lässt sich ein solcher Ablauf beispielsweise in der Startphase gut umsetzen. Beim Recherchieren und Schreiben der Reportage muss wegen der Größe der Aufgabe später im Unterrichtsverlauf von diesem Schema etwas abgewichen werden. Wird hingegen das Thema „Twitter” vermittelt, ist eine praktische Übung möglichst sofort zu empfehlen.

Ein eigenes Feld ist die methodische Vermittlung von Anwenderkenntnissen einzelner Softwareprodukte. Hier ist zu Beginn der Unterrichtseinheit die Orientierung der Teilnehmenden – wozu brauche ich dieses Produkt, und welche Funktionen muss ich auf jeden Fall beherrschen? – besonders wichtig. Die Dozierenden stecken viel Mühe in das Erarbeiten kleiner Übungen, die dabei helfen, dass sich die Lernenden das Programm nach und nach erarbeiten und später auch komplexe Aufgaben lösen können.

Lehren durch Lernen
Die Dozierenden nehmen die Lernenden ernst und beteiligen sie am Lernprozess. Das verändert auch die Lehrenden. Ein Sozialsystem „Lehrgangsklasse” ist zu Beginn einer Unterrichtseinheit ein anderes als an deren Ende. Für mich als Dozentin ist klar: Ich bringe viel mit in eine Unterrichtseinheit, einen Workshop, ein Seminar, und ich gehe verändert daraus hervor. Ich nehme fachliche, methodische und soziale Erkenntnisse mit, die ich reflektiere. Lehren ist Lernen – gerade für die Schulleitung einer Journalistenakademie.

Vollständiger Beitrag in Journalismus lehren. 10 Jahre Journalistenakademie, München 2010

Letzte Aktualisierung: So. 07. 11. 2010. 10:40 Uhr (GaHo)
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