Seitenanfang
 
www.journalistenakademie.de Stiftung Journalistenakademie Dr. Hooffacker GmbH & Co. KG · Arnulfstraße 111-113 · 80634 München · Tel. (089) 167 51 06
| Mail an info@journalistenakademie.de | TOEFL | Blog | RSS | Link zur Twitter-Seite von Dr. Gabriele Hooffacker | Link zur Facebook-Seite der Journalistenakademie | Link zur Google plus-Seite der Journalistenakademie | Link zum Soundcloud-Channel der Journalistenakademie | Link zum Youtube-Kanal der Journalistenakademie | Buch bestellen | Seminar buchen
Sie sind hier: HomeWissenFachbeiträgeBeitrag Wem gehört das Internet?
Ajeleth-Login Account Passwort

Wem gehört das Internet?

(veröffentlicht in: Neues Deutschland, 10. Dezember 1997)


Ausführliche Dokumentation iehe auch: www.wem-gehoert-das-internet.de (2007)

'Das Internet hat gute Chancen, zu einem Intranet von Worldcom oder Microsoft zu werden'. Die Befürchtungen vieler Internet-Beobachter brachte Sebastian von Bomhard, 34, Geschäftsführer des Providerunternehmens SpaceNet und Vorsitzender des Vereins muc.de e.V (Verein zur Förderung privater Datenkommunikation), vergangene Woche in München auf den Punkt. Der globale Konzentrationsprozeß mache vor den Datennetzen, den Telefongesellschaften und Internet-Providern nicht halt: Nur noch wenige Global Player seien im Rennen, und fast wöchentlich werde wieder einer vom Wettbewerb geschluckt. Von einer 'Fresswelle der letzten Monate' sprach denn auch von Bomhard.

'Wem gehört das Internet?' - unter diese provokative Frage hatte Christine Wittig, 22, Münchener Politologiestudentin und Providerin (LINK-M: Mailbox und politischer Provider) Vortrag und Diskussion gestellt. Eingeladen hatte LINK-M, die die bayerische PDS ebenso vernetzt wie diverse Bildungsseinrichtungen, gemeinsam mit der SPD-nahen Georg-von-Vollmar-Akademie, der oberbayerischen Variante der Friedrich-Ebert-Stiftung. Aktuelle Brisanz gewann das Thema durch den Streik der bundesdeutschen Provider gegen das Deutsche Forschungsnetz (DFN) kurz zuvor.

'Eigentlich sollte das Internet den Usern gehören, so wie die Erde den Menschen - aber das werden wir auf diesem Vortrag wohl nicht schaffen', bezog Sebastian vom Bomhard Stellung. Internet bedeute: Netzwerk zwischen Netzen, auch 'Netz der Netze'; Eigentümer gibt es nur für die einzelnen Teilnetze. Ein Online-Dienst wie T-Online beispielsweise gehört der Telekom-Tochter Online-Pro; Compuserve wurde kürzlich von WorldCom aufgekauft. Grundlage des Internet sind zwar die Kabel; deren Eigentümer sind die Telefongesellschaften, allen voran die drei Großen MCI, Alternet/UUNet und Sprint, gefolgt von AT&T, British Telecom und der Deutschen Telekom AG. Hinter MCI und Alternet/UUnet steht bereits WorldCom, in deren Händen sich nunmehr ein Großteil der weltweiten Kommunikationsbahnen befindet. Daran ändert auch die zweite Datenautobahn (Backbone) nichts, die 1998 in den USA eröffnet wird. Auch wenn es ihnen nicht gehört: Die Telefongesellschaften sind die Hauptnutznießer des Internet.

'Das Geld wird im Internet mit der Telefonie verdient' (SvB).

Doch nicht nur Eigentumsverhältnisse an den Kabeln sind entscheidend, auch die Machtverhältnisse: Wer peert mit wem? Die Peering-Points, Übergabepunkte im Internet zwischen den verschiedenen Netzen, unterliegen klaren Regelungen: Die drei Großen peeren miteinander. Alle anderen dürfen nur an definierten Übergabepunkten gegen hohe Entgelte empfangen bzw. senden. An den Peering-Points hatte sich der Streit zwischen DFN-Wissenschaftsnetz und Provider-Unternehmen entzündet: Anstatt einfach mit der nächstgelegenen Universität zu peeren, mußten die Provider mit einem der Global Player Verträge schließen.

Das Wissenschaftsnetz hatte die Sympathien in diesem Streit zunächst auf seiner Seite: Schließlich besteht ein Großteil der Inhalte, die das Internet attraktiv machen, aus Archiven und Bibliotheken, die mit öffentlichen Mitteln aufgebaut wurden. Doch die Auswertung aktueller Statistiken zeigt: Weitaus mehr Informationen werden von den Universitäten bei den Providern angefordert als umgekehrt. Hat der große Paradigmenwechsel vom öffentlich-rechtlichen Netz hin zum privatisierten, kommerziellen Angebot auch das Internet erreicht? DFN hat in diesem Fall klein beigegeben: Jetzt dürfen Provider wie SpaceNet über Frankfurt mit dem DFN peeren. Netzbelastung und Kosten werden minimiert.

Doch Macht hat im Internet nicht nur, wem die physikalischen Netze gehören. Das akademisch geprägte Internet besteht von Anfang an nur durch die gemeinsame Entwicklung der Standards und deren unbedingte Offenlegung per 'Request for Comment (RFC)'. 'Was, die Leute in der IETF arbeiten ehrenamtlich?' entfuhr es einem Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung. 'Und ich dachte, die würden von den Providern bezahlt!' Ungläubige Irritation gab es im Publikum auch, als von Bomhard die Entstehungsgeschichte des Internet skizzierte: aus einem Testballon, von der US-Militärbehörde ARPA finanziert, über ein technisches Spielzeug einiger Informatiker an den Universitätsrechenzentren hin zur derzeitigen Internet-Gesellschaft, die SvB als 'streng verfaßte Anarchie' kennzeichnete.

Und die sieht der gelernte Mathematiker in Gefahr. Mit der bisherigen technischen Entwicklung könnten die Internet-Pioniere zwar durchaus zufrieden sein. Doch seien auch Szenarien denkbar wie das folgende: Microsoft kauft WorldCom auf (oder umgekehrt). Anstelle der für alle Programmierer offenen Quellcodes der RFCs treten 'Microsoft Service Packets', für die in Zukunft zu bezahlen ist, und zwar für jedes extra. Providerunternehmen mit ihrer Vielfalt ähnlich wie Tante-Emma-Läden werden überflüssig; es werden lediglich Übergänge (Gateways) zum Microsoft-oder-wie-auch-immer-Netzwerk gegen Gebühr abgegeben.

'Dann', erlaubte sich von Bomhard ein abschließendes Wortspiel, 'gibt es keine Provider mehr. Nur noch Gates.'

Letzte Aktualisierung: So. 07. 11. 2010. 10:35 Uhr (GaHo)
Schaufenster
Offene Seminare
Praxiswissen kompakt am Freitag und Samstag:
Jahresprogramm Seminare 2017/18 (PDF)
Lehrgänge
Nächster Lehrgangsstart ist am 24. Juli 2017:
Online-Redakteur/in Crossmedia
Pressereferent/in Crossmedia
Der Einstieg in die 24. April gestarteten Kurse ist bis Mitte Mai möglich!
Start 2. Modul: 24.7.2017
Crossmedia

Alle Starttermine 2017 auf einen Blick

Selbstverpflichtung zur Qualität in der Journalistenausbildung
Events
Am 2. Juni wird der Alternative Medienpreis verliehen

Zur Computerspielenacht lädt die HTWK Leipzig am 29.4. ein

Kalender für 2017

Fachtagung Journalistik: Reduktion von Komplexität, 16.-17.2.17

Münchner Nacht des Menschenrechtsfilms, 8.2.17

Deutscher Menschenrechts-Filmpreis, 10.12.2016

Die Journalistenakademie auf den Medientagen München, 25.-27.10.

64. Mediengespräch: Haben unsere Medien Migrationshintergrund?, 19.10.2016

Preisverleihung zum Alternativen Medienpreis, 13.5.

63. Mediengespräch: Hoaxes, Fakes, Fälschungen, 4.5.

Wikipedia Foto-Workshop, 8.-10.4.2016

Das war die DGPuK-Jahrestagung, 30.3.2016

Fürs neue Jahr: Kalender 2016

62. Mediengespräch: Frauen in Medienberufen, 18.11.

61. Mediengespräch:
Social Media für Journalisten, 1.10.

Fotos vom Sommerfest: 15 Jahre Journalistenakademie

Alternativer Medienpreis: Preisverleihung, 22.5.

60. Mediengespräch:
Zukunft des Journalismus, 1.4.

Fachkonferenz Journalistenausbildung, 3.3.

Lange Nacht des Menschenrechts-Films, 28.1.2015

Erinnerung an jüdisches Leben in Neuhausen:
Weiße Koffer

100 Jahre Maxim-Kino

Abschlussprojekt Online-Publishing: www.pressearbeit-praktisch.de

Eine Eins für die Journalistenakademie