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Medientage München 2012

Seehofer sieht fern

Einen „Leuchtturm“ nannte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer die 26. Medientage München, die am 26. Oktober zu Ende gingen. Seehofer hat am 24. Oktober die Medientage München eröffnet – persönlich, zum ersten Mal. Der Ministerpräsident pflegt ein bekanntermaßen eigenwilliges Verhältnis zu den Medien. Wie schon die letzten beiden Jahre rätselten die Journalisten im Vorfeld: Ob er diesmal kommt? Oder doch wieder nicht? Und dann war er tatsächlich da.

Seehofer sprach sich für „mehr Freiheit und weniger Hürden“ aus. Er wünschte sich eine Aufbruchsstimmung für die bayerische Medienlandschaft und lobte die bayerische Unternehmermentalität. Dass das freie Unternehmertum sich mit den neuen Medien gar nicht so leicht tut, war Thema in vielen Gesprächsrunden auf den Medientagen. So beklagten die Verlagsvertreter in der Gesprächsrunde „Tablet-Publishing“ am Mittwoch die „hohe Preiselastizität“ bei E-Books: Das Publikum meckere bereits, wenn ein E-Book mehr als 1,49 koste.

Die Sorge um die Werbemärkte trieb nicht nur die Buchverlage um. Im Panel Web-TV am Donnerstag Nachmittag beobachtete Dirk Specht von der FAZ auch im TV-Sektor eine Atomisierung des Werbemarkts. Seine These: Der Fernsehmarkt stehe heute da, wo der Zeitungsmarkt vor zehn Jahren stand. Andreas Briese von YouTube glaubte demgegenüber an die Koexistenz von klassischem Fernsehen und interaktiven Web-Plattformen. Bestätigt wurde er darin von Arnd Benninghoff, der die ARD-ZDF-Medienstudie zitierte: Wer YouTube schaut, sieht auch mehr fern. Dennoch: Skepsis auf dem Podium.

Anleihen bei der Spieltheorie machte Rolf-Dieter Lafrenz: Er untersuchte, wie man Allianzen gegen Google schmieden könne, und schlug eine gemeinsamen Plattform mit Medieninhalten für die Contentanbieter vor, Vorbild Spotify oder Hulu. Dazu passte gut die Ankündigung von „G7“ im Vorfeld der Medientage, dass sieben große Zeitungsverlage - die Augsburger Mediengruppe Pressedruck, die Zeitungsgruppe Stuttgart, Madsack, die ACN-Kombi, die Mainzer Verlagsgruppe Rhein Main, die WAZ Mediengruppe und DuMont Schauberg - ein einfach zu buchendes Onlineangebot anbieten wollen.

Bei Seehofers Rede horchte das Publikum an einer Stelle auf. Der Ministerpräsident kritisierte in freier Rede seinen Redenschreiber: Der habe ihm nämlich schlaue Sätze zur Regulierung des geplanten Jugendkanals von ARD und ZDF ins Manuskript geschrieben, die er, Seehofer, so nicht vortragen werde. Denn genau das wolle man nicht mehr: „So viel Freiheit wie möglich“, paraphrasierte Seehofer vor dem staunenden Publikum. Das hatte am selben Morgen der Süddeutschen Zeitung entnommen, wie Seehofers Pressesprecher beim ZDF um korrekte Berichterstattung nachgefragt hatte, genauer: das Unterlassen von Berichterstattung über den Parteitag der SPD, bei dem Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl 2013 nominiert worden war.

Für mehr Regulierung in der Journalistenausbildung sprach sich Ulrike Kaiser, die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, aus. Im Panel „Von eierlegenden Wollmilchsäuen und turboschnellen Fastfood-Journalisten“ beklagte sie, dass viel zu viele Journalisten ausgebildet würden. Das bestätigten die Journalistenschulleiter auf dem Podium nicht: Einhellig waren sie der Auffassung, dass die Zahl der Bewerbungen stetig zurück ginge. Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitung forderte faire Vorabinformation für Abiturienten: Wer etwa Technikjournalismus absolviert hat, dem stünden nicht alle Türen offen.

Es gebe eben schwarze Schafe, ergänzte Ulrike Kaiser, und forderte eine neue Diskussion über Standards in der journalistischen Aus - und Weiterbildung. Esslinger hielt entgegen: Es gebe auch schwarze Schafe unter Verlagen.. Martin Kunz, Direktor der Akademie der bayerischen Presse, erinnerte an das Gütesiegel des Mediencampus Bayern, das hier einen Standard setze.

Auf dem Online-Gipfel am Donnerstag ging es um „Big Data“. Robert Levine brachte es auf den Punkt: „Big data is big business.“ Mehr Transparenz forderte die bayerische Staatsministerin der Justiz und für Verbraucherschutz Beate Merk von den Sozialen Netzwerken. Demgegenüber vertrag Wieland Holfelder von Google: Wenn Werbung passend sei, werde sie vom Konsumenten nicht als störend empfunden. Auch sonst brachte der Online-Gipfel wenig Unerwartetes.

Unterhaltsam ging es auf den Panels im Mediencampus-Areal zu. Philipp Walulis, Comedian und Grimme-Preisträger, stellte einige der Clips von „Walulis sieht fern“ vor, darunter „Die typische Nachrichensendung“, aber auch Parodien auf die beliebten Justiz-Shows und weitere Formate der Scripted Reality. Passend dazu fragte Richard Gutjahr: Wieviel „Rundshow“ verträgt ein klassisches Nachrichtenformat?

Die Politik solle sich raushalten, hatte Horst Seehofer bei der Eröffnung der Medientage verlangt. Im übrigen sei das Internet ein Segen für die Menschheit. Er nutze es als Pressespiegel, um die Stimmung im Lande auszuloten. Ergebnis des Ego-Googelns: Inzwischen ist Seehofers Pressesprechers wegen des ominösen Anrufs beim ZDF zurückgetreten. Und die Journalisten haben eine Antwort auf die Frage gefunden, warum Seehofer diesmal persönlich bei den Medientagen war: Horst Seehofer parodiert in Wirklichkeit Franz Josef Strauß! Und vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit dem Grimme-Award.

Gabriele Hooffacker

Letzte Aktualisierung: Fr. 26. 10. 2012. 21:25 Uhr (GaHo)
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