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30. Mediengespräch

Über Rechtsextremismus schreiben - aber wie?

„Rechtsextremismus und Medien” war das Thema des 30. Münchner Mediengesprächs am 7. Dezember 2006.

Horst Schmidt begrüßt die Podiumsteilnehmer und die Gäste.  Foto: Klaus Wagner

Horst Schmidt begrüßt die Podiumsteilnehmer und die Gäste.
Foto: Klaus Wagner

8,6 Prozent der Bundesbevölkerung haben ein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild. Das ist das Fazit der im November 2006 erschienenen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung „Vom Rand zur Mitte, rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland”. Besonders ausgeprägt sei dabei das rechtsextreme Denken bei Menschen über 60 Jahren, so Dietmar Molthagen, Rechtsextremismusreferent der Friedrich-Ebert-Stiftung, der die Studie vorstellte.


Begriff „rechtsextrem” ist irreführend

„Ausländerfeindlichkeit kann dabei als Einstiegsdroge in den Rechtsradikalismus bezeichnet werden”, sagte Molthagen. Der Begriff „rechtsextrem” sei jedoch irreführend, da er suggeriere, dass es sich um ein eng abgrenzbares Rand-Phänomen handle. Darum habe die Studie ihr Augenmerk nicht auf sichtbare rechtsextreme Handlungen gerichtet, sondern auf die Einstellungen, also die mehr oder weniger unausgesprochene Zustimmung zu Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Auch nach antidemokratischen Denkweisen sei gefragt worden. So halten 9 Prozent der Deutschen laut der Studie die Diktatur unter Umständen für die bessere Staatsform; 15,2 Prozent würden sich nach einem Führer mit starker Hand sehnen und 26 Prozent nach einer einzigen Partei, die die Volksgemeinschaft verkörpere. Bayern hat dabei in vielen Bereichen die höchsten Werte erreicht – noch vor Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen.

Horst Schmidt stellt die  Rechtsextremismus-Ausstellung  der Münchner Friedrich-Ebert-Stiftung vor. Foto: Klaus Wagner

Horst Schmidt stellt die
Rechtsextremismus-Ausstellung
der Münchner Friedrich-Ebert-Stiftung vor.
Foto: Klaus Wagner

Was können Journalisten machen, um ausländerfeindlichen Ressentiments zu begegnen? Molthagen: „Journalisten sollten genau überlegen, wie sie über Ausländerintegration und Kriminalität, die von ausländischen Personen begangen wird, berichten. Muss zum Beispiel immer eine Nationalität genannt werden, wenn es um eine Straftat geht?”

Holger Kulik von der Antonio-Amadeo-Stiftung und Berliner Journalist kritisierte die manchmal sehr reißerische Berichterstattung in Boulevardzeitungen. Das trage dazu bei, dass Vorurteile und Feindseligkeiten gegen Fremde geschürt würden.


Fehlende Sensibilität für fremdenfeindliche und rechtsextreme Themen

Das Hauptproblem sei jedoch die fehlende Sensibilität für fremdenfeindliche und rechtsextreme Vorkommnisse, so die Referenten. Es werde in den Medien zu wenig thematisiert. Oft würde nur über Extremfälle oder hochaktuelle Ereignisse berichtet. Nur selten würden solche Vorfälle über einen längeren Zeitraum weiterverfolgt. David Gall, Herausgeber und Redakteur des ersten deutsch–jüdischen Internetportals Hagalil, beklagte: „Politik und Medien sind über plakative Themen hinaus nicht daran interessiert, über Antisemitismus zu berichten.”

Viele Lokalredakteure würden aber auch von Einwohnern oder Gemeinderatsmitgliedern unter Druck gesetzt, nicht negativ über den eigenen Ort zu berichten, erklärte Kulik. In einem Fall sei Kulik von einem Journalisten gefragt worden, ob er engagierte Anti-Rechts-Aktivisten, über die er schreiben sollte, nicht gefährden würde, wenn er über Rechtsextremismus berichte. Erst auf Nachfrage kam heraus, das der Journalist Angst um seine eigene Familie hatte. „Aber die Leute wollen Gesicht zeigen. Und wenn über rechtsextreme Vorfälle sachlich und emotionslos berichtet wird, besteht keine Gefahr”, so Kulik. In diesem Fall sei die Sache gut ausgegangen: Dem Journalisten sei nichts passiert, und heute würde er regelmäßig über Fremdenfeindlichkeit und Neonaziaktivitäten berichten.

Dietmar Molthagen, Gabriele Hooffacker, Holger Kulik, David Gall. Foto: Klaus Wagner

Dietmar Molthagen, Gabriele Hooffacker, Holger Kulik, David Gall.
Foto: Klaus Wagner

Kontinuität und Mut ohne Betroffenheitsromantik gefordert

„Was würden Sie sich von den Medien wünschen?”, fragte die Moderatorin Gabriele Hooffacker von der Münchner Journalistenakademie die Podiumsgäste. Gall forderte: „Kontinuierlicher über die Thematik berichten, besser informieren, selbst besser informiert sein und mehr positive Beispiele bei Integration und Migration nennen. Keine Betroffenheitsromantik mit Selbstbestätigungscharakter samt Lichterketten.” Molthagen widersprach in diesem Punkt. Er halte den sogenannten „Aufstand der Anständigen” für eine wichtige Aktion. Auch, wenn das allein natürlich nicht ausreiche.

Auch das Abwerten der parlamentarischen Diskussion und die implizite Forderung der Medien nach einer starken Hand, einem Macher, hielten die Referenten für besorgniserregend. Kulik forderte eine stärkere Auseinandersetzung der Journalisten mit ihren Lesern und eine höhere Aufmerksamkeit bei Reportagen und Berichten, beispielsweise in Fußballstadien. Reporter sollten dabei mutiger sein und über Rassismus schonungsloser berichten.

Die Schlussfrage, ob 2020 diese Debatte in Deutschland immer noch aktuell sein werde, bejahten alle auf dem Podium. Während Gall ein sehr düsteres Bild zeichnete, waren Kulik und Molthagen weniger pessimistisch: Sie sahen hoffnungsvolle Ansätze.


Martin Fiedler

Holger Kulik, Dietmar Molthagen, David Gall,  Gabriele Hooffacker. - Foto: Klaus Wagner

Holger Kulik, Dietmar Molthagen, David Gall,
Gabriele Hooffacker. - Foto: Klaus Wagner

Letzte Aktualisierung: Do. 18. 01. 2007. 12:06 Uhr (ThSt)
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