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Nicht nur Fußballfans werden ausspioniert

Interview mit dem Künstler und Datenschützer padeluun (Junge Welt, 12.4.2005)

RFID sind winzige Chips, die über Funk abgefragt werden können. padeluun von der Bielefelder Datenschutzinitiative „FoeBuD e. V.” und Veranstalter der BigBrotherAwards erklärte am Wochenende auf dem 19. Nürnberger Mediengespräch, was er gegen RFID-Chips hat.


Frage: padeluun, beim Ticket-Verkauf zur Fußball-WM 2006 sind die RFID-Chips, die in den Eintrittskarten integriert sein sollen, ganz groß rausgekommen. Worum geht es eigentlich?
padeluun: Stellen Sie sich vor, dass Ihre Jacke, Ihre Schuhe, Ihre Hose, Ihr Hut, zwei Kundenkarten in Ihrem Geldbeutel und die Geldscheine mit RFID bestückt sind. Selbst bei schönem Wetter, wenn Sie Hut, Jacke und Schuhe stehen lassen, sind Sie anhand der RFID, die Sie mit sich tragen, immer noch identifizierbar.

Frage: Wozu soll das gut sein?
padeluun: RFID steht für 'Radio Frequency IDentification'. RFID-Chips können an Waren versteckt angebracht werden. Bei jedem Kontakt mit dem Lesegerät können die Seriennummer und eventuell weitere auf dem Chip gespeicherte Daten ausgelesen und zusammen mit der Uhrzeit und dem Ort des Lesegeräts gespeichert werden. Mit diesen Daten lassen sich Bewegungsprofile erzeugen; riesige Datenbanken entstehen.

Frage: Was wird in diesen Datenbanken gespeichert?
padeluun: Die eindeutige Seriennummer macht es Datenbank- und Archivbetreibern sehr einfach, weitere auf anderen Wegen gesammelte Daten dieser Nummer zuzuordnen und wieder abzurufen.

Frage: Wer hat ein Interesse an diesen Datenmengen?
padeluun: Diese Daten erwecken natürlich Begehrlichkeiten. Wenn man etwa eine RFID-Nummer einer bestimmten Person zuordnen kann, weiß man mit den gesammelten Daten auch, wann sie sich wo aufgehalten hat.

Frage: Was fürchten Datenschützer?
padeluun: Viele große Handelskonzerne möchten die bekannten Strichcodes durch solche 'Schnüffelchips' ersetzen. Momentan hören wir jeden Tag in den Nachrichten, was alles angeblich im 'Kampf gegen den internationalen Terrorismus' nützlich ist. Da wird es auch nicht lange dauern, bis auch diese Daten vagabundieren und gegen uns verwendet werden.

Frage: Kann man sich dagegen wehren?
padeluun: Es gibt zur Zeit kaum ausreichende Regelungen oder Gesetze in Deutschland, der EU oder weltweit, mit denen die Gesellschaft vor den Gefahren oder gar Missbrauch solcher Technologien geschützt werden könnten.

Frage: Hilft es was, Produkte in die Mikrowelle zu legen, um eventuell versteckte RFID-Etiketten zu zerstören?
padeluun: Ein RFID-Etikett wird durch Mikrowellen tatsächlich zerstört. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass nicht nur der Chip in Flammen aufgeht, sondern auch das Produkt, auf dem der Chip klebt.

Frage: Was kann ich denn überhaupt gegen RFID tun?
padeluun: Wenn Sie feststellen, dass bestimmte Läden RFID verwenden, sollten Sie diesen deutlich zu verstehen geben, dass Sie mit dieser Geschäftspolitik nicht einverstanden sind und sich, falls nichts dagegen unternommen wird, einen anderen Laden für Ihre Einkäufe suchen. Bei Ihren Abgeordneten können Sie sich für eine notwendige Gesetzgebung einsetzen und Initiativen wie die unsere finanziell unterstützen.

Frage: Was hat Ihre Aufklärungsaktion erreicht?
In der Sache WM-Ticket ging der DFB ursprünglich von 40 Millionen Kartenbestellungen aus. Ich denke, auch unserer Aufklärungsarbeit ist zu verdanken, dass nicht so viele Menschen wie erwartet diesen Datenstriptease mitgemacht haben.

Frage: Was hat das alles mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu tun?
padeluun: In den WM-Eintrittskarten sollten mithilfe solcher RFID-Chips allerhand personenbeziehbare Informationen gespeichert sein. Unter anderem die Nationalität, und welches Nationalteam die Antragsteller unterstützen. Oder gar die Personalausweisnummer; das ist eindeutig illegal!

Frage: Was fordern die Datenschutzaktiven des FoeBuD?
padeluun: Die große Unverschämtheit ist schon dieser Fragebogen, den auszufüllen ich gezwungen bin. Wenn jeder Verkäufer erst mal meine Daten haben wollte, bekomme ich beim Bäcker nur noch dann ein Brötchen, wenn der im Gegenzug meinen RFID-Chip im Ausweis auslesen darf. Personalausweisdaten dürfen an keiner Stelle erhoben und genutzt werden. Und schließlich: Mit dem Fall des letzten WM-Tores müssen die Datensätze unwiderruflich gelöscht werden.

Frage: Wie kann man einen Datenschützer-Verein bloß „FoeBuD” nennen?
padeluun: Das heißt „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.”

Frage: Das erklärt den Sinn und Zweck auch nicht wirklich..
padeluun: Datenschutz ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit. Wir haben öffentliche Netzwerke aufgebaut, Verschlüsselung gefördert und vieles mehr. Wir haben uns bei unserer Gründung 1987 in den Anfangszeiten der „Datenfernübertragung”, als Vernetzung von der damals in Westdeutschland für Telekommunikation zuständigen Post faktisch verboten war, einen Namen gegeben, der die Bezeichnungen eben dieser Post „auf die Schippe nahm”. Die nannten ein Telefon tatsächlich „FeTAp mit GeBanz” – Fernsprechteilnehmerapparat mit Gebührenanzeiger. Wir nennen uns FoeBuD. Und unsere letzte Diskussion, dass wir uns aus Vernunftgründen umbenennen sollten, endete damit, dass wir diesen Namen lieben. Und Liebe ist nun mal stärker als alle Vernunft.
Gabriele Hooffacker

Weiterführende Links:
de.wikipedia.org/wiki/RFID Wikipedia zu RFID
Initiative Stop RFID
Der FoebuD

Letzte Aktualisierung: So. 07. 11. 2010. 10:38 Uhr (GaHo)
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